Save the date! 25. Juni 2021 am Bootshaus

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Eltern,
liebe Ehemalige und Freunde der Schülerruderriege,

leider müssen wir das für den 19.06. geplante Fest anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Schülerruderriege am Bootshaus in Eversburg aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen lassen!

Selbst wenn eine solche Feier ggf. in kleinerem Rahmen und mit einem entsprechenden Sicherheits- und Hygienekonzept möglich gewesen wäre – ein dem Anlass angemessenes großes Fest mit sportlichen Aktivitäten, ausgelassener Stimmung und geselligem Beisammensein würde es nicht werden.

Wir haben daher vor, diese Feier im kommenden Jahr mit Euch und Ihnen nachzuholen!

Der neue Termin ist der 25.06.2021!

Wir freuen uns auf Euch!
Marcus Funke, Hartwig Ahrens, Harro Lehmann, Jürgen Landwehr

Einladung zum Ruderfest

Entfall Abiturjubiläum

Liebe Ehemalige,

das diesjährige Abiturjubiläum am 10. Juli entfällt. Wenn es einen Ausweichtermin geben wird, informieren wir sie rechtzeitig.

Auf ein Gespräch mit dem Europameister

Langstrecken-Ass Jan Fitschen kehrte in seine Schule zurück

 Zum „Bibliotheksgespräch“ hatte die Vereinigung ehemaliger Ratsgymnasiasten ihr Neu-Mitglied Jan Fitschen (Jahrgang 1977, Abitur 1996) eingeladen. Er berichtete von seinem Bildungsweg und beruflichen Wünschen, bis ihm dann sein Sporttalent in die Quere kam.

„Lauf, Junge, das kann dein Rennen werden!“, rief der Fernsehreporter mit sich überschlagender Stimme dem Osnabrücker Ausnahmeathleten Jan Fitschen zu, als dieser im 10.000-Meter-Finale bei den EM 2006 in Göteborg zum Endspurt ansetzte und die drei führenden Läufer einen nach dem anderen wegputzte.

Warum der Titel eines Europameisters so ziemlich das höchste ist, was ein Langstreckenläufer weißer Hautfarbe erreichen kann, wie niedergeschlagen man ist, wenn eine blöde Erkältung ein halbes Jahr qualvoller Trainingsvorbereitung zunichtemacht, inwiefern der ehrliche, nicht dopende Athlet sich gleich dreimal betrogen fühlt, wie erniedrigend die Doping-Kontrollen sein können – all das und noch viel mehr schilderte Fitschen seinem Publikum.

Wenn ein 28-facher Deutscher Meister mal wieder seine alte Penne besucht, dann reichen die Stühle nicht. Wegen des starken Andrangs musste der Ehemaligen-Verein als Veranstalter kurzfristig das „Bibliotheksgespräch“ mit Jan Fitschen aus der Bibliothek in den größeren Musiksaal verlegen. Fitschen hielt nicht den Standardvortrag über Trainingsdisziplin, Krisenmanagement und Selbstmotivation, den er nach Beendigung seiner Profi-Karriere schon oft vor Wirtschaftsleuten oder Sportvereinen gehalten hat. Er ging sehr stark auf das Rüstzeug ein, das ihm die allgemeinbildenden Schulen mitgegeben haben. Zum Auftakt brachte er ein Klassenfoto, das ihn als zwölfjährigen Milchbubi in der Ratsgymnasiums-Außenstelle Eversburg zeigt. Ziemlich lange dauerte es, bis das Publikum ihn erkannt hatte. Auch anwesende Klassenkameradinnen waren keine große Hilfe, nachdem sie sich selbst kaum ausmachen konnten.

Wider alle Erwartungen aus heutiger Sicht verwertete er sein Sporttalent nicht nutzbringend im Abitur. Sport gehörte nicht zu den Prüfungsfächern. Sein Physiklehrer habe ihn sehr geprägt, berichtete Fitschen, und so belegte er Mathe und Physik als Leistungskurse. Laufwettkämpfe – im Trikot des SV Atter und später des OTB – gehörten da zwar auch schon zu seinem Leben, aber nicht im Traum habe er sich damals vorstellen können, immer im Kreis herumzulaufen und damit einmal Geld zu verdienen. Folgerichtig steuerte er nach Schule und Zivildienst einen „anständigen“ Beruf an, wechselte nach Bochum und studierte dort Physik.

Nun war seine Wahl auf Bochum allerdings nicht wegen eines besonderen Rufes der Physik-Fakultät gefallen, sondern wegen der hochklassigen Trainingsmöglichkeiten im benachbarten TV Wattenscheid 01. Unter Anleitung eines hauptberuflichen Trainers gelang ihm hier der Durchbruch an die Spitze Deutschlands und später Europas auf der Mittel- und Langstrecke. Fitschen eilte von Erfolg zu Erfolg, wurde 1996 nach dem ersten Deutscher-Meister-Titel im Crosslauf zum „Sportler des Jahres“ in seiner Heimatstadt Osnabrück gewählt, sammelte einen Pokal nach dem anderen ein und konnte spätestens nach dem Erringen der Europameisterschaft 2006 gut von Startgeldern, Prämien und Werbeverträgen leben. Dass das Physikstudium – Spezialgebiet Laser- und Plasmaphysik – darunter litt, kann er sich heute lachend verzeihen, denn: „Nach 21 Semestern habe ich mein Diplom doch noch hingekriegt, ich bin eben ein Freund der Ausdauer.“ Und in dem Bewusstsein, dass es auch noch ein Berufsleben nach dem aktiven Sportlerdasein geben werde, hängte er gleich noch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an.

Der Rücktritt vom Leistungssport kam nach seiner zweiten Fersen-Operation 2015. Fitschen bekennt, seitdem nicht schlechter zu leben als zu den aktiven Zeiten. Er arbeitet als Trainer, Berater, Werbebotschafter und Co-Kommentator im Fernsehen, er schreibt für Laufzeitschriften, er hilft Sportartikelherstellern bei der Weiterentwicklung ihrer Produkte wie beispielsweise Stirnlampen, er geht auf Vortragsreisen, er hält Laufcamps etwa auf Mallorca oder in Kenia ab. Und er ist Buchautor: In „Wunderläuferland Kenia“ geht er dem Erfolgsgeheimnis der schwarzen Laufwunder nach. „Ohne den soliden Schulunterricht in Deutsch, Englisch und den Naturwissenschaften stünde ich heute nicht da, wo ich jetzt stehe“, gab er insbesondere den angehenden Rats-Abiturienten mit auf den Weg. Die anwesenden Lehrer und der Schulleiter hörten das gerne.

 

Text: Joachim Dierks, Foto: Lothar Wehleit.

Geheimdienste wichtiger denn je

„Bibliotheksgespräch“ mit Verfassungsschützer Werner Sprado

Im Rahmen der „Bibliotheksgespräche“ hatte die Vereinigung ehemaliger Ratsgymnasiasten ihr Mitglied Werner Sprado (Jahrgang 1950, Abitur 1969) eingeladen. Er berichtete von seinem beruflichen Werdegang als Verfassungsschützer – und von den politischen Einflussnahmen, denen die Geheimdienste stets ausgesetzt waren und sind.

 „Für die einen war ich auf dem rechten Auge blind, für die anderen auf dem linken. Ich weiß gar nicht, wie ich immer ins Büro gefunden habe“. Mit dieser Aussage verdeutlichte Sprado, dass die Geheimdienste stets zur politischen Manövriermasse im politischen Prozess gehört haben. Als stellvertretender Präsident des sachsen-anhaltinischen Landesamts für Verfassungsschutz bekam er das in den 1990er-Jahren besonders deutlich zu spüren, als SPD-Ministerpräsident Reinhard Höppner nur mit Duldung durch die PDS, die Vorgängerpartei der Linken, in Magdeburg regieren konnte. Zu den Aufgaben des Verfassungsschutzes gehörte die Durchleuchtung der Biografien von bestimmten Funktionsträgern im Hinblick auf ihre Verstrickungen im DDR-Unrechtssystem. „Da wurde immer wieder versucht, uns auszubremsen“, so Sprado, „einige in der PDS wollten den Verfassungsschutz insgesamt zur Disposition stellen.“

Einen Teil der Vorbehalte kann er heute nachvollziehen, denn der Föderalismus sei in der Strukturierung der Geheimdienste übers Ziel hinausgeschossen. Kleinere Bundesländer wie Sachsen-Anhalt mit 2,3 Millionen Einwohnern benötigten nicht unbedingt eine eigene Landesbehörde. Die Zusammenlegung des Verfassungsschutzes mehrerer kleiner Bundesländer wäre sinnvoll. Letztlich habe auch der Fall Anis Amri gezeigt, dass zu viele Dienststellen bei der Aufklärung und Verfolgung hinderlich seien.

Interessant für die Schüler im Publikum war auch, wie man überhaupt zum Geheimdienst kommt. „Das war nicht mein erklärter Berufswunsch“, erzählte Sprado. Er wollte eigentlich Gymnasiallehrer für Geschichte und Biologie werden. Nachdem er bereits das Staatsexamen in der Tasche hatte, wurden ihm vertiefende Seminare in der Faschismusforschung angeboten. Er schrieb sich ein. Später stellte sich heraus, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz ein Auge auf die Absolventen geworfen hatte und einige zu Gesprächen einlud. „Man bot mir einen attraktiven Aufgabenbereich an und so sagte ich zu.“ In der Folge war Sprado mit Rechts-, Links-, Ausländerextremismus und Geheimschutz befasst, er machte in Köln, Bremen und Magdeburg Karriere. Als Mitglied im SPD-Ortsverein Neustadt-Wüste und Mitglied im Stadtrat von 1976 bis 1991 ist er dabei seiner Heimatstadt stets verbunden geblieben.

Zur aktuellen Sicherheitslage meinte Sprado, dass die Bedrohungen heute größer seien als je zuvor. „Wir wissen viel zu wenig über die ‚Schläfer‘, die in keinem Verfassungsschutzbericht aufgezählt werden, weil sie sich völlig unauffällig verhalten und niemals etwa in einer Salafisten-Moschee auftauchen würden.“ Die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Geheimdienst NSA, der über weitergehende Instrumente etwa der Kommunikationsüberwachung verfüge als die Inlandsdienste, werde zwar vielfach kritisiert, sei aber unter Sicherheitsgesichtspunkten sehr wertvoll und habe schon einige Anschläge hierzulande verhindert. Ein Gefahrenpotenzial liege auch in der großen Zahl nur lückenhaft erfasster Migranten, die seit 2015 ins Land gekommen seien. Leider werde eine offene Auseinandersetzung darüber immer noch unterdrückt. Teile der Politik versuchten, die Probleme „klein zu reden und gesund zu beten“, so Sprado. Davon nahm er die meisten Innenminister der Länder aus, „denn die haben es ja mit der Realität zu tun“. In Geheimdienstkreisen werde gewitzelt, das Kommunistische Manifest müsste eigentlich umgeschrieben werden und so lauten: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Realität“.

Der Moderator des Abends, das Vorstandsmitglied der Ratsgymnasiums-Ehemaligen Volker Lüdemann, resümierte: „Es bewegt sich halt jeder von uns in seiner persönlichen Wahrnehmungs-Filterblase.“

BU:

Verfassungsschützer Werner Sprado (Mitte) sprach im Ratsgymnasium auf Einladung von Volker Lüdemann vom Vorstand der Ehemaligen-Vereinigung (links) und Schulleiter Lothar Wehleit.

23.10.2017,  Text & Foto Joachim Dierks

 

Ehemalige hinaus in die Welt

Liebe Mitglieder,

erstmals zog es Vorstand und Beirat der Ehemaligen-Vereinigung für eine Sitzung hinaus in die Welt. Genauer gesagt, in die Niederlande, nach Den Haag. Wir folgten einer Einladung unseres Beiratsmitglieds Uwe Hinxlage, der dort die Deutsche Internationale Schule Den Haag (DISDH) leitet.

Wir lernten eine Schule kennen, die in vielerlei Hinsicht „anders“ ist. Es geht damit los, dass die DISDH als Privatschule letztlich nach der Pfeife des Schulvereins tanzen muss, der Träger und Eigentümer ist. Hier haben die – zahlenden – Eltern eine institutionelle Mehrheit. Da viele Eltern in gehobener Position in Botschaften, Konsulaten oder einer der zahlreichen internationalen Organisationen arbeiten, hat Hinxlage es mit einer „insgesamt recht anspruchsvollen Klientel“ zu tun, wie er es diplomatisch ausdrückt. Das Schulgeld beträgt 7350 Euro pro Schuljahr, was im Vergleich mit anderen internationalen Schulen in Den Haag eher wenig ist. Das wiederum liegt daran, dass der deutsche Staat Zuschüsse gibt. Er hat ein Interesse daran, dass Deutsche im Ausland eine Schulversorgung nach deutschen Standards erhalten. An der DISDH legen die Schüler nach dem 12. Schuljahr die Deutsche Internationale Abiturprüfung (DIAP) ab. Die DIAP ist die internationale Variante des regulären deutschen Abiturs. Dieser Abschluss wird auf der ganzen Welt anerkannt und ermöglicht ein Studium sowohl in Deutschland als auch im Ausland. „Insofern haben wir es bei Lehrplänen und Prüfungsanforderungen auch mit der deutschen Kultusministerkonferenz zu tun“, erklärte Hinxlage.

Einige Einflussnehmer sind damit beschrieben. Formal bezeichnet sich die Schule als „unabhängig“. Das trifft insofern zu, als Hinxlage keine Dienstanweisungen einer ministeriellen Schulbehörde empfängt, obwohl er weiterhin aus Deutschland bezahlt wird. Aber viele wollen mitreden, wenn es um Schule geht. Das ist in Deutschland so und noch mehr im Ausland. Großunternehmen, die teils das Schulgeld für ihre Angestellten übernehmen und darüber hinaus als Spender auftreten, verschaffen sich Gehör. Und wenn der ägyptische Botschafter sich beim deutschen Amtsträger beschwert, dass Hinxlage seinen Sohn (aus guten Gründen) nicht aufnehmen will, dann kommt es auch schon mal zu einer Einflussnahme auf diplomatischem Wege. Mehr als ein Schulleiter in Deutschland hat er zwischen widerstreitenden Interessenvertretern zu vermitteln. Und muss gleichzeitig auf großer internationaler Bühne repräsentieren, ganz zu schweigen von fast regelmäßigen Abend- und Wochenendterminen. So manch einen Kollegen zerreibt es dabei. Die wenigsten stehen die sechs Jahre, auf die so ein Auslandseinsatz angelegt ist, durch.

Hinxlage leitet die DISDH seit 2013. Er hat sich eine gewisse Robustheit zugelegt. Zudem ist diese nicht seine erste Auslandsmission. Von 1998 bis 2001 lehrte er an der deutschen Schule in Washington, D.C. Danach rief ihn die Heimat zurück. An der Gesamtschule Schinkel wurde er zunächst Fachbereichsleiter und ab 2005 stellvertretender Schulleiter. 2013 packte ihn wieder die Lust auf neue Herausforderungen, um nicht zu sagen Abenteuer. Seitdem ist er der Dompteur eines bunt zusammengesetzten Kollegiums und von 400 Schülern aus 33 verschiedenen Nationen, angefangen bei den Dreijährigen im Kindergarten bis zu den Abiturienten. Und er hält die Tradition einer Schule hoch, die seit 1863 wichtige Anlaufstelle für deutsche Sprache und Kultur und ein Teil des internationalen Lebens in Den Haag ist.

Auf dem Rundgang durch die Schule wunderten wir uns zunächst über die hermetische Abgeschlossenheit des Schulkomplexes und die Omnipräsenz von Wachleuten. Seit den Terroranschlägen in Belgien und Frankreich entschloss sich der Schulverein zu einer deutlichen Verschärfung des Sicherheitsstandards. Erstaunlich fanden wir auch, dass das Schulgebäude mit seiner nach unserem Empfinden eher nichtssagenden Sechziger-Jahre-Architektur unter Denkmalschutz steht. Das hat für Hinxlage die Konsequenz, dass er vor jedem Nagel, den er in die Wand hauen will, fragen muss. Die „Monumentenwacht Nederland“ verstehe keinen Spaß. Wenn Auflagen nicht eingehalten würden, drohten saftige Strafen.

Bemerkenswert fanden wir die gute schultechnische Ausstattung. Jeder Klassenraum verfügt über ein elektronisches Whiteboard. Schmunzeln mussten wir im Kindergarten-Vorraum über die fein säuberlich an den Garderobenhaken hängenden „LiceSafe“-Säcke. Um die Übertragung von Kopfläusen über die Kleidungsstücke zu verhindern, muss jedes Kind seine Jacke in einen Läusesack stecken.

Nach unserem „Arbeitsbesuch“ in der Schule luden uns Uwe Hinxlage und seine Frau in ihre Privatwohnung auf einen „Borrel“ ein. Das ist der niederländische Begriff für einen zwanglosen Umtrunk am Abend unter Darreichung von Häppchen. Es wurde außerordentlich „gezellig“ und wir denken mit schlechtem Gewissen daran zurück, was wir Uwe und seiner Familie mit unserer übergroßen nächtlichen Ausdauer zugemutet haben. Egal, am nächsten Morgen traten wir pünktlich zur Stadtbesichtigung an, bei der uns Uwe die Regierungshauptstadt mit ihren historischen Gebäuden, Einkaufsstraßen, dem Regierungssitz, dem Königsschloss in Wassenaar und den zahlreichen internationalen Institutionen näher brachte. Die Deutsche Evangelische Kirche in der Bleijenburg stellte uns Pastor Jan Mathis vor. Sie ist ähnlich der Deutschen Schule ein Integrationspunkt für die deutsche Community. Dabei trafen wir auf den ehemaligen Ratsgymnasiasten Ulrich Thöle (Abitur 1968), der als Rechtsanwalt in Den Haag lebt und arbeitet und der Kirche als Prädikant dient.

So dankbar wir Uwe Hinxlage und seiner Frau für ihre übergroße Gastfreundschaft sind, so wenig stehen wir bei unserer Vereinigung in der Schuld. Das nur als Hinweis an die Kassenprüfer: Wir Mitreisenden haben alles selbst bezahlt und die Vereinskasse mit keinem Cent belastet! Und sind darüber hinaus ökologisch korrekt mit der Bahn gereist, mit einmal Umsteigen – zweiter Klasse, und das als erstklassiger Verein.

Für die Reisegruppe aus Vorstand und Beirat:
Joachim Dierks.

Verfassungsschutz ohne Schlapphut

Vor zwei Jahren hatten wir das Projekt „Bibliotheksgespräche“ vorgestellt. Dahinter steckt die Idee, das sicherlich enorme Potential an Wissen, Kompetenz und Lebenserfahrung, das in der Kartei ehemaliger Schüler schlummert, punktuell ans Tageslicht zu befördern. Gesucht wurden Ehemalige, die bereit sind, in lockerem, informellem Rahmen aus ihrem Berufsleben oder über ein anderes interessantes Thema ihres Erfahrungsbereichs zu berichten. Als Publikum ist die gesamte Schulöffentlichkeit eingeladen, also Schüler, Lehrer, Eltern und Ehemalige.

Nach der Premiere, in der es um Fluchtursachen aus dem afrikanischen Krisenland Eritrea ging, und dem zweiten Gespräch, das sich um unterschiedliche Karrieren im Arztberuf drehte, steht nun das dritte „Bibliotheksgespräch“ vor der Tür. Werner Sprado, Abitur 1969, wird am

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 20 Uhr

in der Bibliothek des Ratsgymnasiums zum Thema „Vom Lehramtsstudium zur Inneren Sicherheit – ein vielleicht eigentümlicher Berufsweg“ sprechen und anschließend mit seinem Publikum diskutieren. Sprado wollte eigentlich Gymnasiallehrer in seinen Lieblingsfächern Geschichte und Biologie werden. Aber dann kam alles anders: TU Hannover – Bundesinnenministerium/Dienststelle Köln – Bundesamt für Verfassungsschutz – Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt – Innenministerium Sachsen-Anhalt. Die Beobachtung von Ausländerextremismus und –terrorismus gehörte zu seinen Aufgaben ebenso wie der allgemeine Extremismus auf der rechten und der linken Seite und die Leitung der Spionageabwehr auf Landesebene. Aus dem jetzt eingetretenen Ruhestand heraus blickt er auf 35 Jahre vielseitiger Tätigkeit im Bereich der Inneren Sicherheit zurück.

Die Vereinigung ehemaliger Schüler des Ratsgymnasiums lädt zu dieser dritten Veranstaltung in der Reihe der “Bibliotheksgespräche” alle ehemaligen und aktuellen Schüler, Lehrer und Eltern herzlich ein, der Eintritt ist frei.

19.09.2017, Joachim Dierks

Abiturjubiläum 2017

140 ehemalige Abiturienten der Jubiläumsjahrgänge 1947-1952-1957-1962-1967-1977-1992 nahmen die Einladung zu einem Treffen im Ratsgymnasium gerne an.

Die Schule schaffte den Rahmen für Begegnung, Wiedersehen und Erinnerung in der Aula mit Musik und Vorstellung der Jahrgänge. Die Jubilare nutzten die Einladung für Rundgänge in der ehemaligen Schule und anschließende Treffen in der Osnabrücker Gastronomie.

Der Jahrgang 1952 pflegt die Traditionen der Erinnerung jährlich an wechselnden Orten und hat sich vorgenommen, 2022 zum 70jährigen Abitur geschlossen wieder zu kommen.

Möge es allen vergönnt sein!

Bilder von der Veranstaltung gibt es hier.

Neuer Vorstand der Ehemaligen

Liebe Mitglieder,

auf unserer Mitgliederversammlung am 7. April 2017 standen Neuwahlen von Vorstand und Beirat an. Dabei ergaben sich einige Veränderungen. Im Wege einer Rochade tauschten der Vorsitzende Joachim Dierks und sein Stellvertreter Johannes Andrews die Positionen, sodass der 54-jährige Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Johannes Andrews nun die Vereinigung leitet. Die langjähri-gen Vorstandsmitglieder Udo Stiller (Archivar/EDV) und Jochen Niemann (Schriftführer) wechsel-ten in den Beirat. Neuer Archivar und EDV-Kundiger ist Jürgen Grosser, neue Schriftführerin Kers-tin Kümper. Volker Lüdemann bleibt Kassenführer, Friedrich-Alfred Weymann Referent der Schü-lerkapelle. Weiterhin in den Beirat gewählt wurden: Haye Aulfes, Christian Bräke, Daniela Elstro, Stefan Fels-ner, Hendrik Fip, Uwe Hinxlage, Henning Höfer, Andre Kammler, Harro Lehmann, Dr. Jannis Lüb-be, Michael Marx, Markus Preckwinkel und Ingo Sauerwein. Kassenprüferinnen sind Heide Bill-mann und Urte Vierkötter. Zu einer konstituierenden Sitzung traf sich der neue Vorstand in den Räumen der Evangelischen Stiftungen, deren Vorstandsvorsitzender Johannes Andrews ist. Dank der Inspirationen, die von diesem Ort ausgehen, dürfte die Vorstandsarbeit unter einem günstigen Stern stehen. Denn Sitz der Geschäftsstelle ist in Mösers Geburtshaus Markt 26/27. Der große Politiker, Jurist, Publizist, Literat und Historiker Justus Möser (1720 – 1794) gehört zu den prominentesten Rats-Ehemaligen. Das Foto zeigt den neuen Vorstand unter der Möser-Gedenktafel versammelt mit (von links) Jo-hannes Andrews, Joachim Dierks, Friedrich-Alfred Weymann, Jürgen Grosser, Volker Lüdemann, Schulleiter Lothar Wehleit, Kerstin Kümper und Harro Lehmann.

30.05.2017

Gründe der Flucht aus einem unbekannten Land

Erstes Bibliotheksgespräch:

Dr. Gangolf Seitz: Eritrea – Gründe der Flucht aus einem unbekannten Land

Am 26. Februar 2016 feierte ein neues Informationsangebot Premiere: Ehemalige Ratsgymnasiasten berichten im Rahmen der „Bibliotheksgespräche“ aus ihrem Erfahrungsbereich. Den Anfang machte der Marburger Allgemeinmediziner Dr. Gangolf Seitz, Jahrgang 1950, Abitur 1969. Er engagiert sich seit vielen Jahren in der Entwicklungshilfe. Von 1978 bis 1980 arbeitete er als Arzt in einem Urwaldkrankenhaus im westafrikanischen Sierra Leone. Als ehrenamtlicher Vorsitzender der Hilfsorganisation „Terra Tech Förderprojekte e. V.“ bereiste er mehrfach Krisengebiete in Afrika und Asien, um Projekte aus den Bereichen Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit auf den Weg zu bringen.

Dreimal führte ihn sein Weg nach Eritrea, in ein Land, das in der „Hitliste“ der Herkunftsländer der Flüchtlinge sich stetig nach oben gearbeitet hat und nun unter den afrikanischen Ländern den ersten Rang einnimmt. Warum fliehen massenhaft Menschen aus einem Land, von dem man in den Nachrichten kaum jemals hört? Auf der Suche nach Antworten stieg Dr. Seitz zunächst in die Geografie, dann in die Geschichte des Landes ein. 1890 wurde Eritrea eine italienische Kolonie. Die Kolonialherren drückten dem Land deutlich ihren Stempel auf. Dr. Seitz belegte mit zahlreichen, auch fotografisch sehr gelungenen Fotos die bis heute anhaltende Prägung insbesondere in der Architektur, aber auch bei Handelsprodukten, Autos, Konsumgewohnheiten und allgemeiner Infrastruktur.

1941 drängten alliierte Truppen die Italiener zurück, Eritrea kam unter britische Militärverwaltung. Die Vereinten Nationen hielten das Land für kaum überlebensfähig in Eigenständigkeit und verordneten daher eine Föderation mit dem Nachbarland Abessinien/Äthiopien. Nach 1953 zogen sich die Engländer systematisch zurück, nicht ohne dem Land erhebliche Demontagen zuzumuten. Hafenanlagen, Krankenhäuser, Salzfabriken, Zementfabriken, 300 Eisenbahnwaggons und vieles mehr im Gesamtwert von umgerechnet 2,1 Mrd. Euro wurden der eritreischen Volkswirtschaft entzogen. 1961 beendete Kaiser Haile Selassie jegliche politische Selbstverwaltung Eritreas und annektierte es de facto.

Es begann ein 30 Jahre währender Unabhängigkeitskrieg, der 1991 mit dem Sieg der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) endete. Zwei Jahre später erklärte sich das Land offiziell für unabhängig. Seitdem regiert der EPLF-Kommandeur Isaias Afewerki an der Spitze einer offiziell als „Übergangsregierung“ titulierten Junta. 1997 präsentierte er der Nationalversammlung einen Verfassungsentwurf, der aber nie in Kraft gesetzt wurde. Seit 2002 tagt die Nationalversammlung nicht mehr, da die meisten Mitglieder entweder im Gefängnis sitzen oder geflohen sind. Wahlen werden nicht mehr abgehalten. Einzige zugelassene Partei ist die „Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit“.

bibliotheksgesprch

Seit 1998 führt Eritrea einen nicht erklärten Grenzkrieg mit Äthiopien, der bislang 70.000 Tote forderte und den auch die zwischen 2000 und 2008 im Grenzgebiet stationierten UN-Friedenstruppen nicht beenden konnten. Die Wirtschaft krankt daran, dass die eigene Elektrizitätsversorgung völlig unzureichend ist. Gas und Öl müssen vollständig importiert werden, da eigene Lagerstätten nicht erschlossen sind. Wirtschaftlicher Fortschritt wird weiterhin dadurch erschwert, dass etwa 50 % der Männer im erwerbsfähigen Alter in der Armee oder im Arbeitsdienst („National Service“) zwangsrekrutiert sind.

Zunehmend nach 1998 haben die Machthaber die Bürgerrechte eingeschränkt, Zeitungen und Rundfunk verstaatlicht, willkürlich verhaftet und gefoltert, Christen wegen ihres Glaubens verfolgt. „Reporter ohne Grenzen“ listet Eritrea 2015 an 180. und damit letzter Stelle im weltweiten Pressefreiheits-Index. In Eritrea (5 Millionen Einwohner) sitzen mehr Journalisten im Gefängnis als in China (1,5 Milliarden Einwohner). Die staatliche Planwirtschaft hat nichts aus dem Niedergang der Volkswirtschaften des ehemaligen Ostblocks gelernt, lässt 34 % der Bevölkerung hungern und weist gleichzeitig ausländische Hilfsangebote zurück. Der Staatshaushalt speist sich, da er der völlig verarmten heimgebliebenen Bevölkerung nichts mehr abpressen kann, zu großen Teilen aus der sogenannten „Aufbausteuer“. Alle Exil-Eritreer müssen 2 % ihres Einkommens in die Heimat überweisen. Wer das nicht tut, der riskiert Folter oder Tod seiner im Lande gebliebenen Verwandten. Ende 2011 wurden alle in- und ausländischen NGO’s verboten, sodass es für die ausländische Presse immer schwieriger wird, ein nicht gefärbtes Lagebild zu erhalten.

 

Die drangsalierte Bevölkerung indes stimmt mit den Füßen ab. Jeden Monat fliehen 2000 bis 3000, nach neuesten Schätzungen bis zu 5000 Menschen. Was in Mitteleuropa ankommt, ist nur die Spitze des Eisbergs. Den meisten fehlt es an Geld, die Schlepper für die Bootsüberfahrt zu bezahlen. In israelischen Lagern sollen sich 40.000 Flüchtlinge aufhalten, in Äthiopien 87.000, im Sudan 125.000. „Ich kann jeden Eritreer verstehen, der seinem Land den Rücken kehrt, ich würde es genauso machen“, sagte Dr. Seitz. Der „Cocktail“ aus Armut, Hunger, praktisch lebenslang drohendem Wehr- oder Arbeitsdienst, allgemeiner Unfreiheit, Sippenhaft und willkürlichen Verhaftungen mache das Leben dort zur Hölle. Der Vortragende sah nichts, was eine Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage begründen könnte. Das relativ kleine Land liege isoliert am Rande Afrikas. Keine der größeren Mächte wolle sich seinetwegen die Hände schmutzig machen.

Rund 50 Zuhörer – Schüler, Lehrer, Ehemalige, aber auch etliche Interessierte aus der Osnabrücker Öffentlichkeit – haben die lebhaften und mit vielen instruktiven Bildern, Landkarten und Statistiken untermauerten Ausführungen des in Osnabrück aufgewachsenen und jetzt in Goßfelden bei Marburg lebenden Arztes aufmerksam verfolgt. Bei Schnittchen und Getränken schlossen sich viele Nachfragen an.

Text: Joachim Dierks

Bibliotheksgespräche am Ratsgymnasium

„ERITREA – Gründe der Flucht aus einem unbekannten Land“

Dr. Gangolf Seitz kommt zum „Bibliotheksgespräch“ am Freitag, dem 26. Februar 2016 um 19.00 Uhr ins Ratsgymnasium 

Über 13.000 Menschen aus Eritrea haben im Jahr 2014 in Deutschland Asylanträge gestellt. Inzwischen werden es sicherlich wesentlich mehr sein. Warum fliehen diese Menschen aus diesem Land, von dem man in den Nachrichten kaum etwas hört? Gangolf Seitz (Abitur 1969) arbeitet ehrenamtlich für den Marburger Entwicklungshilfeverein Terra Tech und hat Eritrea mehrfach besucht. Sein Vortrag beleuchtet die Geschichte des Landes, die politische und wirtschaftliche Entwicklung und schließlich die Gründe, die für viele Bürger Anlass zur Flucht geben.

Informationen über die Fluchtgründe aus erster Hand zu erhalten, ist eine besondere Chance.

Zu den „Bibliotheksgesprächen“ im Ratsgymnasium sind alle Interessierten – auch von außerhalb – herzlich eingeladen.

Ehemalige Schüler des Ratsgymnasiums halten Vorträge mit der Möglichkeit zu einem anschließenden Gedankenaustausch.

Der Ehemaligenverein der Schule sorgt für das leibliche Wohl der Gäste.

 

Joachim Dierks, Vorsitzender Vereinigung ehem. Schüler

Lothar Wehleit, Oberstudiendirektor